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Digital Collaboration I – Eine Einführung

Lesedauer = ca. 5 Minuten

Dies ist der erste Teil der Reihe Digital Collaboration. In mehreren Teilen werden verschiedene Perspektiven auf und Themen rund um Digital Collaboration beleuchtet. Ziel der Reihe ist es, den Trend kontextuell zu verorten und dahinterstehende Potenziale individuell greifbar und anwendbar zu machen.

In diesem – dem ersten – Teil der Reihe schauen wir auf die treibenden Faktoren von Digital Collaboration und klären, was das Ganze mit Unternehmensstrategie zu tun hat.

 

 

Was wäre eine Einführung ohne eine Definition? Diese scheinen jedoch leider aus der Mode gekommen zu sein oder werden oft als zu wissenschaftlich abgetan. Dabei ist ein gemeinsames Verständnis extrem wichtig. Gerade im Umgang mit den Unmengen an Buzzwords, mit denen wir immer häufiger und hemmungsloser um uns werfen. 1 Und in der Tat macht es Sinn, sich auch bei dem Thema Digital Collaboration mit einer Definition zu befassen.

 


 

Wovon reden wir eigentlich?

 

Interessanterweise nutzte man den Begriff Collaboration laut dem Online Etymology Dictionary ursprünglich zu Zeiten des zweiten Weltkrieges speziell für die Zusammenarbeit unter Feinden. Daher war Collaboration lange negativ behaftet. Mittlerweile aber haben die Wirtschaftswissenschafen den Begriff für sich neu entdeckt. Sie haben Collaboration nun im neutralen bzw. positiven Sinne geprägt, als kreierende Zusammenarbeit verschiedener Akteure 2. Der Aufwind der Collaborative Economy hat dem Begriff zudem weitere positive Assoziationen wie Peer-to-Peer bzw. dezentral verliehen.

 

Digital Collaboration, wie wir den Ausdruck heute verwenden, beschreibt also die kreierende Zusammenarbeit unter verschiedenen Akteuren, die durch digitale Technologie ermöglicht wird. Ein umfassender und schwer eingrenzbarer Begriff. Das dahinterstehende Spektrum reicht von einfacher E-Mail-Kommunikation bis hin zu Crowd Sourcing und Open-Innovation-Ansätzen. Es verwundert also nicht, dass der gleiche Gedanke – nur anders gekleidet – in verschiedenen alternativen Begrifflichkeiten wie Enterprise 2.0, Corporate Reeniniering oder Social Collaboration daherkommt. Just another Hype or Buzzword? In diesem Fall: Nein. Allerdings wird Digital Collaboration meistens nicht in seiner Gänze und seinem vollen Potenzial verstanden, was diese Artikelreihe zeigen wird.

 


 

Was uns hierhin führte

 

Dass sich Digital Collaboration in den letzten Jahren zum zunehmend großen Thema in Business-Kreisen entwickelt hat, ist natürlich zunächst der technologischen Entwicklung geschuldet. Neue Tools und Systeme, die sich der Digitalisierung der Zusammenarbeit widmen, beflügeln neue Formen und Dimensionen der Kollaboration. Getragen vom Netzwerk- bzw. Plattformgedanken, können diese Collaboration Tools verschiedenste Funktionen und Funktionalitäten abdecken. In erster Linie dienen sie bestenfalls sowohl der Effizienz als auch der Effektivität der Arbeit. Die Funktionalitäten umfassen beispielsweise das gemeinsame Bearbeiten von Projekten und Dokumenten, netzwerkbasierte – also transparente und integrierte – Prozesse sowie Kommunikation oder die Förderung von Innovationen. Digitalisierung skaliert Teamwork damit in einem bisher unbekannten Maß.

 

Ein zweiter wichtiger Treiber von Digital Collaboration ist, dass sogenannte Arbeitssilos ihre Blütezeit erreicht haben. Die Entstehung dieser Silos ist maßgeblich auf die klassische, funktionale Arbeitsteilung zurückzuführen. Nun ernten wir die daraus entstandenen Früchte. Für unseren heutigen Geschmack wirken diese allerdings oft bitter. Denn was früher gut funktionierte, stößt heute an seine Grenzen. Digitalisierung, wachsende Schnelllebigkeit und Transparenz bringen Anforderungen mit sich, die dem trägen, funktionalen Konzept widersprechen. Entsprechende Konsequenzen potenzieren sich schnell. In der Praxis kennen wir das Phänomen als da weiß die linke Hand nicht, was die rechte tut: Redundante Bearbeitung von Themen, inkonsistente Maßnahmen und Kommunikation, ineffiziente Prozessschleifen wie auch strukturelle Unbeweglichkeit aufgrund mangelnder Entscheidungsfähigkeit. Die notwendige Verschmelzung bisher abgetrennter Bereiche in Organisationen macht eine weitreichende Kollaborationsgrundlage daher unabdingbar.

 

Der dritte treibende Faktor von Digital Collaboration ist ebenso in vollem Gange. Denn was Digital Natives bereits heute in Ihrem Alltag nutzen, wünschen sie sich auch von ihrem Arbeitgeber in ihrem (zukünftigen) Arbeitsumfeld. Schließlich ist es bei ihnen im Alltag etabliert, auf Netzwerkbasis miteinander zu kommunizieren und in komplexen Strukturen zu kollaborieren. Im Unternehmenskontext braucht es also Lösungen, um dem digitalen Arbeitsstil gerecht zu werden und das Potenzial bestmöglich auszuschöpfen.

 


 

Collaboration vs. Unternehmensstrategie

 

Wen die eben angebrachten Argumente nicht davon überzeugen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, sollte sich eine Frage stellen: Was macht ein Unternehmen langfristig erfolgreicher als andere? Viele würden sicher direkt antworten, dass dafür natürlich eine ausgefeilte Strategie notwendig sei. Doch in Anbetracht der gesättigten und transparenten Märkte ist es de facto nur noch selten die formulierte Unternehmensstrategie, die eine Organisation erfolgreicher macht als andere.

 

Natürlich will ich damit nicht behaupten, dass eine durchdachte Strategie nicht sinnvoll sei 3. Vielmehr soll deutlich werden, dass es heute auf den meisten Märkten – salopp gesagt – vielmehr auf das WIE als das WAS einer Organisation ankommt. Aber fragen Sie sich doch mal selbst: Unterscheidet sich Ihre Unternehmensstrategie maßgeblich von der Ihrer Kernwettbewerber?

 

Ein gut durchdachtes Produkt, umfassender Service, eine adäquate Marktkommunikationsstrategie etc. – all das ist wichtig und eine Voraussetzung für Erfolg.  Maßnahmen, die heute gut und erfolgreich scheinen, geben dennoch keine Garantie darauf, langfristig erfolgreich zu sein. Garantien für langfristigen Erfolg existieren natürlich grundsätzlich nicht. Dennoch ist es heute schwerer denn je, den eigenen Erfolg zu erhalten oder auszubauen. Produktlebenszyklen werden immer kürzer, die Konkurrenz zieht immer schneller nach, neue Substitute betreten den Markt und wachsen in Rekordzeit. Um sich für die Zukunft gut aufzustellen, muss sich das Unternehmen folglich in verschiedenen Kontexten zurechtfinden können.Welches Zielsystem Organisationen dabei Orientierung geben kann, stellen wir übrigens in diesem Artikel vor.

 

Halten wir fest: Entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens ist also vor allem die Art und Weise, wie eine Organisation arbeitet, Dinge entwickelt, umsetzt und evaluiert. Hier kann Digital Collaboration eine große Rolle spielen und auf unterschiedlichsten Handlungsebenen von Unternehmen andocken.

Wie die Handlungsfelder aussehen und strukturiert werden können und welche Ziele man damit verfolgen kann, ist Bestandteil des nächsten Teils der Digital Collaboration Reihe.

 

 

Sobald der nächste Teil der Artikelreihe erschienen ist, finden Sie ihn hier.

 

Die Autorin

Sarah Eisenmann

Portrait Sarah Eisenmann

Sarah ist Berater bei Eck Consulting und begleitet dort Unternehmen aus verschiedenen Branchen durch die digitale Transformation. Ihre Expertise liegt in den Bereichen Digital Collaboration, Customer Centric Organization und Digital Business Models. Außerdem experimentiert sie gerne mit neuen Methoden aus Design Thinking & Co. Nach verschiedenen Tätigkeiten in Start-Up, Industrie- und Handelskonzernen ist sie seit 2015 bei Eck Consulting.

 

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